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„Eine multikulturelle Gesellschaft braucht eine multikulturelle Logopädie.“

Kategorie:DAG

Studierende der Hochschule für Gesundheit diskutieren Therapieansätze für erworbene Sprachstörungen bei Mehrsprachigkeit.

Im Bachelorstudiengang Logopädie der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum widmeten sich Studierende des dritten Semesters Mitte Januar 2023 in einem interaktiven Workshop dem Störungsbild Aphasie und zwar in Bezug auf Patient*innen, die mehr als eine Sprache sprechen beziehungsweise verstehen. Auf Einladung von Frau Prof. Dr. Kerstin Bilda, Professorin im Studiengang Logopädie an der HS Gesundheit, war Logopädin Julia Petzer als Expertin für das Thema Mehrsprachigkeit bei Aphasie und interkulturelles Lernen zu Gast an der Hochschule für Gesundheit.

Als Aphasie bezeichnet man eine erworbene Sprachstörung, die infolge neurologischer Erkrankungen wie einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Tumor auftritt. Dabei können die Modalitäten Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben in unterschiedlicher Ausprägung gestört sein. „Durch logopädische Therapie können die sprachlichen Funktionen zumindest teilweise wiedererlangt werden, wobei dieser Prozess von wenigen Monaten bis zu vielen Jahren dauern kann. Das Ziel ist es, Betroffenen die Kommunikation wieder zu ermöglichen und dadurch die Lebensqualität positiv zu beeinflussen“, erläutert Kerstin Bilda. Mehrsprachigkeit sei heute bei weitem keine Ausnahme mehr, somit hätten Logopäd*innen auch in der Aphasie-Behandlung zunehmend mit mehrsprachigen Patient*innen zu tun.

„Bei einer mehrsprachigen Person zeigt sich die Aphasie häufig in allen Sprachen, die diese in ihrem Alltag verwendet. Da bei Mehrsprachigkeit Netzwerke in den Spracharealen bestehen, fördern sich die sprachlichen Fähigkeiten gegenseitig“, erklärte Julia Petzer den Studierenden in dem Workshop. Faktoren wie der Erwerbszeitpunkt, die Sprache des Umfeldes oder die emotionale Verbundenheit mit der Sprache könnten eine Auswirkung darauf haben, wie die Sprachen im Gehirn verknüpft seien, dadurch würden sie sich oft auch parallel zurückbilden. „Durch eine Therapie, die verschiedene Merkmale eines sprachlichen Begriffs aktiviert, können auch die anderen Sprachen erreicht und stimuliert werden. Gelingt dies, sprechen wir vom sogenannten cross-linguistischen Transfer“, erläuterte die studierte Logopädin Julia Petzer. Somit könnten beispielsweise auch kultursensible Logopäd*innen, die nicht über Kenntnisse der Muttersprache ihrer Patient*innen verfügen, eine förderliche Therapie anbieten. 

Besonders wichtig sei dabei, die Multikultur als Ressource der Gesellschaft zu erkennen und den Patient*innen sowie ihren Angehörigen integrativ und wertfrei zu begegnen. Auch Kerstin Bilda betonte im Anschluss an die Veranstaltung: „Eine multikulturelle Gesellschaft braucht eine multikulturelle Logopädie. Viele unserer Student*innen und Patient*innen sind mehrsprachig. Integration gelingt durch eine gemeinsame Sprache. Die Logopädie kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten.“

Auf Einladung von Frau Prof. Dr. Kerstin Bilda (li.), Professorin im Studiengang Logopädie an der HS Gesundheit, war Logopädin Julia Petzer als Expertin für das Thema Mehrsprachigkeit bei Aphasie und interkulturelles Lernen zu Gast an der Hochschule. Foto: HS Gesundheit/Pembenur Uzun

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