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Foto: die Hochschulgebäude von der Straße aus Aktuelles und Termine

Das Stadtteillabor in der Bochumer Hustadt

Das 2015 etablierte und auf zwölf Jahre angelegte Bochumer Stadtteillabor ist ein Ort der gesundheitsbezogenen Langzeitforschung. Hier werden medizinethnologische sowie kollaborative Ansätze in der Lehre realisiert und in Form von Lehr-Forschungsprojekten angewandt.

Die Auswahl des Forschungsortes begründet sich dabei mit der besonderen Vulnerabilität der Bewohner:innen. Die Hustadt gehört zu den Bochumer Ortsteilen mit dem höchsten Index-Wert gesundheitlicher Herausforderungen (Stadt Bochum 2017, S. 75). Sie ist zudem der jüngste Stadtteil Bochums und ein hoher Anteil der Community erhalten Transferleistungen (vgl. Feldnotizen Falge 2018). Die Zusammensetzung der Bevölkerung aus über 40 Herkunftsländern geht zudem einher mit den von zahlreichen Studien nachgewiesenen strukturellen Diskriminierungen am Arbeitsmarkt, im Ausbildungsbereich und in der Schule (vgl. Foroutan/Canan 2016).

Sie zeichnet aber auch das Vorhandensein wichtiger und gesundheitsförderlicher Ressourcen aus. So stellt sich der Stadtteil als ein Ort der Gemeinschaft dar, in dem, bei allen vorhandenen Konflikten, soziale Beziehungen quer zu identitätspolitischen Differenzkategorien auf einem geteilten Interesse an menschlichen Gemeinsamkeiten und solidarischer Unterstützung bestehen. Im Forschungsfeld des Stadtteillabors wird ein postmigrantischer und entmigrantisierender Ansatz verfolgt. Es stehen somit nicht nur Menschen im Fokus, die eigene oder deren Vorfahren Migrationserfahrung besitzen, sondern ebenso Bewohner:innen, die seit vielen Generationen in Deutschland leben oder keine Migrationserfahrung haben. Beide Gruppen werden innerhalb desselben analytischen Rahmens betrachtet (vgl. Glick Schiller/Çağlar 2018).

Dieser Ansatz argumentiert somit, dass der von vielen Forscher:innen konstruierte Gegensatz zwischen Migrant:innen und der sogenannten Mehrheitsgesellschaft übersieht, dass nicht notwendigerweise Migration, sondern Armut die primäre Differenzkategorie für gesundheitliche Ungleichheit ist. Im Rahmen dieses Ansatzes wird Gesundheit und Krankheit im Stadtteillabor im Kontext politisch-ökonomischer Machtbeziehungen und nicht per se als Ergebnis „migrantischen Fehlverhaltens“ betrachtet.

Kontakt

Prof. Dr. Christiane Falge

Auf diesem Bild sieht man Prof. Dr. Christiane Falge.

Professorin für Gesundheit und Diversity

DoCH · Department of Community Health

3. Etage, Raum 3314

Tel. +49 234 77727-727
Fax +49 234 77727-927

christiane.falgehs-gesundheit "«@&.de

Dr. Silke Betscher

Vertretungsprofessorin

Gesundheit und Diversity
DoCH · Department of Community Health

Etage 3, Raum 3312

Tel. 0234 777 27 - 713

silke.betscherhs-gesundheit "«@&.de

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