Entwicklungspsychologische Beratung
Für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern – EPB0-3®
Der Zertifikatskurs befähigt zur Entwicklungspsychologischen Beratung (EPB0-3®) von Eltern und weiteren Betreuungspersonen von Säuglingen und Kleinkindern in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.
Die EPB0-3®-Beratung ist ein Angebot zur Förderung der elterlichen Feinfühligkeit in der frühen Kindheit. Sie dient dem Aufbau einer gelingenden Eltern-Kind-Beziehung und einer sicheren emotionalen Bindung beim Kind. Eine sichere emotionale Bindung ist ein wesentlicher Schutzfaktor für spätere Belastungssituationen und deren Bewältigung. Durch die EPB0-3® wird Entwicklungs- und Verhaltensproblemen vorgebeugt, gleichermaßen stellt sie bei deutlichen Warnzeichen bereits eine Intervention dar.
Die EPB0-3® wurde unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Ute Ziegenhain (Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie) entwickelt, erfolgreich evaluiert und wird fortlaufend aktualisiert.
Die EPB0-3® richtet sich gleichermaßen an Familien mit entwicklungspsychologischem Interesse, an unsichere und belastete Eltern, an Familien mit Säuglingen und Kleinkindern in besonderen Lebenssituationen (z. B. Schreibabys, Frühgeborene, Säuglinge mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen, Kinder jugendlicher oder psychisch kranker Eltern) sowie an Familien, mit denen die Jugendhilfe im Rahmen stationärer oder ambulanter Hilfen bereits Kontakt hat.
Die EPB0-3® kann in verschiedenen Arbeitsfeldern eingesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel Frühförderung, Schwangerenberatung, Erziehungsberatung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Frühe Hilfen und ärztlich-therapeutische Bereiche (z. B. Sozialpädiatrische Zentren).
Der Zertifikatskurs richtet sich an:
Mitarbeiter*innen von Einrichtungen und freiberuflich tätige Fachkräfte, die mit Familien mit Säuglingen und Kleinkindern arbeiten, z. B.:
- (Familien-)Hebammen
- (Familien-)Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*innen
- Psycholog*innen
- Pädagog*innen
- Therapeut*innen
- Ärzt*innen
Kursleitung
Prof.in Dr.in Nina Gawehn
Professorin für Psychologie an der HS Gesundheit
Beratung & Organisation
Team Weiterbildung
Tel. +49 234 777 27 590
Abschluss | EPB®-Zertifikat |
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Studienform | berufsbegleitend, weiterbildend, Präsenz/online |
Dauer | 1 Jahr |
Gesamtumfang | 218 Stunden, davon 128 Stunden Kontaktzeit (64 Präsenz und 64 online) und 90 Stunden Selbstlernzeit |
Credit Points | 7 ECTS |
Kosten | 2.850,00 Euro |
Ziel des Zertifikatskurses
Die Teilnehmer*innen lernen, Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern kompetent zu beobachten, zu beraten und gemeinsam mit den Eltern Handlungsstrategien zu erarbeiten. So fördern sie eine positive Eltern-Kind-Interaktion und die elterliche Feinfühligkeit.
Aufbau und Inhalte des Zertifikatskurses
Der Zertifikatskurs ist in 4 Blöcke à jeweils 4 Tage gegliedert. Die Blöcke A und D finden in Präsenz in Bochum statt und die Blöcke B und C online. Somit ergeben sich insgesamt 218 Stunden: 128 Stunden Kontaktzeit (davon 64 in Präsenz und 64 online) sowie 90 Stunden Selbstlernzeit. Im Rahmen der Selbstlernzeit finden die Analysen der Praxisfälle und der Beratungsprozesse statt.
Theoretische Grundlagen
Die EPB verknüpft die bindungstheoretisch begründete Förderung feinfühligen elterlichen Verhaltens mit der spezifischen Vermittlung von Ausdrucks-, Belastungs- und Bewältigungsverhaltensweisen von Säuglingen und Kleinkindern. Weitere Themen sind u. a. Regulationsstörungen in der frühen Kindheit, Frühe Hilfen und Kinderschutz, Kinder psychisch kranker Eltern, Kinder mit besonderen Belastungen wie Frühgeburtlichkeit, chronischen Erkrankungen und Behinderungen.
Block A: Entwicklungspsychologische Grundlagen
- Erkenntnisse der Säuglingsforschung
- Erkenntnisse der Bindungsforschung
- Verhaltensbeobachtung von Mutter/Vater-Kind-Interaktionen
Block B: Klinische Entwicklungspsychologie
- Regulations- und Bindungsstörungen
- Warnzeichen für Vernachlässigung und Misshandlung
- Besondere Situationen des Kindes (Behinderungen) und der Eltern (psychische Erkrankung)
Block C: Entwicklungspsychologische Beratung
- Einschätzung der Eltern-Kind-Beziehung
- Ressourcenorientiertes Videofeedback
- Entwicklungspsychologische Beratung als Prozess
Block D: Implementierung des Beratungsangebotes
- Rechtsgrundlagen
- Kooperation mit anderen Hilfesystemen
- Regionale Vernetzung
Transfer in die Praxis durch Fallbeispiele
Die Teilnehmer*innen erlernen anhand von Fallbeispielen Methoden zur Verhaltensbeobachtung sowie die darauf aufbauende entwicklungspsychologische Beratung der Familie (Video-Aufnahme, Video-Auswertung und Video-Feedback).
Eigene Fälle gemeinsam erarbeiten und supervidieren
Zwischen den 4 Online-Blöcken arbeiten die Teilnehmer*innen mit 3 Familien aus ihrem Praxisalltag. Sie werden im Rahmen des Kurses während der Blöcke B, C und D diesbezüglich intensiv in und mit der Kursgruppe supervidiert, wodurch die Handlungskompetenzen in der eigenständigen, videogestützten und entwicklungspsychologischen Beratung aufgebaut und vertieft werden.
Termine
Der Zertifikatskurs startet am 11.03.2025 und findet über einen Zeitraum von ca. 1 Jahr statt. Die Seminarzeiten sind i. d. R. von 9:00 bis 17:00 Uhr.
- Block A: Di, 11.03. - Fr, 14.03.2025 (Präsenz)
- Block B: Mi, 04.06. - Sa, 07.06.2025 (online)
- Block C: Mi, 24.09. - Sa, 27.09.2025 (online)
- Block D: Mi, 04.02. - Sa, 07.02.2026 (Präsenz)
Voraussetzungen
Formale Voraussetzungen
Abgeschlossenes Studium oder Ausbildung in einem der o. g. Berufe
Persönliche Voraussetzungen
- Entwicklungspsychologisches Interesse
- Zugang zu Familien mit Kindern von 0-3 Jahren für die Fallarbeit
- Wertschätzende, kongruente, empathische und neugierige Persönlichkeit
- Offenheit zur Arbeit mit digitalen Methoden (Video, Schnitt)
- Fähigkeit und Bereitschaft zur Selbstreflektion
- Kommunikative Kompetenz und offene Haltung im Umgang mit Klient*innen
- Eignung zur Arbeit mit Kindern (polizeiliches Führungszeugnis, gesundheitliche Eignung)
- Belastbarkeit/psychische Stabilität und hohes Verantwortungsbewusstsein
Technische Voraussetzungen
Sie besitzen grundlegende PC-Kenntnisse und haben die Möglichkeit an Online-Aktivitäten teilzunehmen (Voraussetzung: stabiler Internetzugang, Laptop oder PC, Headset und Kamera).
Zertifikat & Fortbildungspunkte
Als Qualifikationsnachweis erhalten Sie nach erfolgreichem Abschluss des Kurses ein Zertifikat der Hochschule für Gesundheit und des Vereins Entwicklungspsychologische Beratung, Therapie und Weiterbildung (EPBTW e. V.).
Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats ist die aktive Teilnahme sowie die erfolgreiche Bearbeitung der schriftlichen und mündlichen Aufgaben.
Es werden im Rahmen der des Zertifikatskurses 7 ECTS (Leistungspunkte) erworben, die auf ein Studium angerechnet werden können.
Für Hebammen können mind. 40 Fortbildungspunkte (gemäß § 7 HebBO NRW) anerkannt werden und für Pfleger*innen 25 Fortbildungspunkte bei der Registrierung beruflich Pflegender, für Ärzt*innen werden 218 CME-Punkte beantragt.
Fortbildungspunkte bei der Kammer für Psychotherapeut*innen NRW sind ebenfalls beantragt.
Kosten
Die Teilnahmegebühr beträgt 2.850,00 Euro.
Referentinnen
Prof.in Dr.in Nina Gawehn, Kursleitung, Professorin für Psychologie an der HS Gesundheit
Dr.in Tanja Besier, Dipl.-Psychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Leitung Institut Kindheit und Entwicklung
Kooperation
Der Zertifikatskurs wird in Kooperation mit dem Institut Kindheit und Entwicklung (IKE) in Ulm angeboten.
Warum dieser Zertifikatskurs Entwicklungspsychologische Beratung – EPB?
Nach diesem Zertifikatskurs sind Sie in der Lage:
- Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern U3 kompetent zu beobachten und zu beraten
- Ausprägungen elterlicher Feinfühligkeit zu beobachten und zu bewerten
- Gelingende Abstimmungen in Interaktionen zwischen Eltern und Kind zu erkennen, zu beschreiben und Eltern in der Herstellung gelingender Abstimmungen zu bestärken
- „verpasste Chancen“ und (noch) nicht gelungene Momente der dyadischen Abstimmung in Interaktionen zu erkennen, zu beschreiben sowie wertschätzend und ressourcenorientiert alternative Verhaltensmuster anzuregen
- gemeinsam mit den Eltern Handlungsstrategien zu erarbeiten, um eine gelingende Eltern-Kind-Interaktion und die elterliche Feinfühligkeit zu fördern
- Feinzeichen der Belastung, Offenheit und Selbstregulation des Kindes anhand des Modells von Als/Brazelton oder des CARE-Index (nach Crittenden) zu beobachten und zu bewerten
- Regulations- und Interaktionsstörungen gemäß „Zero to Three“ zu beobachten, zu bewerten und diesbezüglich zu beraten
- Kindeswohlgefährdungen zu erkennen, sicher in der Einschätzung und den Verfahrenswegen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung agieren zu können
- Ressourcenorientierte und entwicklungsfördernde Beratungsgespräche zu führen
- kindliche Entwicklung im Alter von null bis drei Jahren zu beobachten und zu beurteilen, Hinweise auf Entwicklungsabweichungen zu erkennen und Psychoedukation mit Eltern zu normativer und abweichender kindlicher Entwicklung durchzuführen
- umfangreiche Kenntnisse in Videoaufnahmen, Schnitt und Videofeedback anzuwenden